Browsergames: Schund oder Chance?
Browser Games sind Spiele, die im Webbrowser gespielt werden. Manchmal wird dazu auch ein Plug-In oder ein Client installiert. Es sind Spiele, die Online vertrieben werden und normalerweise nicht als „Boxed“-Product im Laden zu finden sind.

Gladiatoren2 ©BigPoint
Einige deutsche Anbieter solcher Spiele sind Gameforge, Bigpoint oder Travian. Durch die große Popularität der Spiele zieht es immer mehr Pulisher in dieses Segment, wie zum Beispiel Ravensburger-Digital.
Game Designer und Spieler reden häufig abwertend über die Browser-Games. Massenmarkt-Müll ohne Sinn und Spieltiefe. Liegt aber darin sogar ein neuer Markt der Chancen für Game Designer bietet?
Meine Meinung gleich vorab. Browser Games sind mir bisher eher negativ aufgefallen. Ich hatte mich zum Beispiel für eines der RPGs (Rollenspiele) bei einem der Marktgrößen angemeldet. Da bekam ich die Quest "Halte 30 Minunten vor dem Tor wache!". Ich suchte das Tor. Auf meinem Bildschirm war immer noch der Charakterbogen dargestellt, mit den Werten für Stärke und so was. Aber wo war das Tor? Wahrscheinlich musste ich den Charakterbogen per Taste oder "X" in irgendeiner Ecke schließen, um das Tor zu sehen. Aber wie? Ich tippte alle Tasten meines Notebooks durch. Kein Tor. Nichts passierte. Auf meiner Suche entdeckte ich dann aber etwas anderes: Eine Zeitleiste, die 30 Min. anzeigte, von denen bereits 6 Minuten vergangen waren. DA war das Tor! Oder genauer: Es gibt gar kein Tor! Es gibt auch keinen Krozz (so hieß mein Charakter), sondern nur seine Werte. Das RPG funktionierte ohne Spielwelt. Komisches Rollenspiel, dachte ich mir und loggte aus.
Was ich vermisste, war das SPIEL. Einen Timer laufen zu lassen und dafür etwas Gold zu kassieren oder den Charakter zu verbessern erfordert keine Entscheidung von mir als Spieler. Das ist ungefähr so spannend, wie meine aktuelle Darmtätigkeit. Gibt es auch Gegenbeispiele? Wenn ja, möge bitte jemand diese nennen, so dass ich nicht ewig suchen muss (das aktuelle BigPoint-Spiel Hellblades finde ich übrigens auch nicht besser. Viel Mühe um aufrüstbare 2D-Action - es fühlt sich wie ein Spielzeug aus den Achtzigern an, dem man zusätzliche Aufkleber verpassen kann, aber Multiplayer Shooter-Action bleibt aus. Für professionelle Konkurrenz sollte es ein Leichtes sein, die Spieler mit einem besseren Produkt weg zu locken.).
Andererseits ist der Browsergamesmarkt dem Brettspielmarkt sehr ähnlich. PopCap entwickelt Spiele mit kleinen Teams (Beispielsweise bei Pflanzen gegen Zombies waren es anfangs nur 3 Mitarbeiter, die das Spielkonzept erarbeiten. Erst viel später kommen Grafiker und Programmierer hinzu. Die Entwicklung dauerte über drei Jahre. Siehe GEE-Magazin). Das ermöglicht es viele Spiele gleichzeitig zu bearbeiten, was wiederum für finanzielle Stabilität spricht, da man nicht von jedem einzelnen Produkt abhängig ist. Ein traditioneller Spieleverlag arbeitet etwa an 10 Titeln pro Jahr. Sie werden durch eine Redaktion ausgewählt und gemeinsam mit dem Autor bearbeitet. Erst nach der Entscheidung das Spiel zu veröffentlichen wird Thema und Grafik fixiert und erstellt. Die Kosten der Entwicklung sind entsprechend gering, der Autor wird über eine Beteiligung bezahlt.
Mit der drastischen Zunahme von jungen Game Designern in den nächsten Jahren (dieses Semester betreue ich über 170 Studenten für Game Design, die in den nächsten Jahren in den Markt schwemmen), werden wir eine entsprechende Steigerung von neuen Spielen erleben, von kleinen Teams entwickelt. Ist der Browsermarkt die optimale Plattform für diese Spielideen?
Was ist deine Meinung?